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Genetik & Molekulargenetik

IB 1 & 3 · Molekulargenetik, Genregulation & Krebs · Q-Phase

Aufbau der DNA

ATTAGCCGATGCTACGDoppelhelix5'3'3'5'BasenpaarungAT2 H-BrückenTA2 H-BrückenGC3 H-BrückenCG3 H-BrückenPurine: A, GPyrimidine: T, C (U in RNA)

Abb. 1: DNA-Doppelhelix – Basenpaarung nach Chargaff (A–T: 2 H-Brücken, G–C: 3 H-Brücken)

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DNA-Doppelhelix

Die DNA (Desoxyribonukleinsäure) ist ein Doppelstrang, der sich zu einer Doppelhelix windet. Jeder Strang besteht aus Nukleotiden, die aus einer Desoxyribose (Zucker), einer Phosphatgruppe und einer Stickstoffbase bestehen.

Adenin (A)

Purinbase – paart sich mit Thymin (T) über 2 Wasserstoffbrücken

Thymin (T)

Pyrimidinbase – paart sich mit Adenin (A) über 2 Wasserstoffbrücken

Guanin (G)

Purinbase – paart sich mit Cytosin (C) über 3 Wasserstoffbrücken

Cytosin (C)

Pyrimidinbase – paart sich mit Guanin (G) über 3 Wasserstoffbrücken

Antiparallel

Die beiden DNA-Stränge verlaufen antiparallel (5'→3' und 3'→5')

Chargaff-Regel

A = T und G = C in der DNA (komplementäre Basenpaarung)

Chargaff-Regel: A = T | G = C | A + G = T + C (Purine = Pyrimidine)

DNA-Replikation

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Was ist Replikation?

Die Replikation ist die Verdopplung der DNA vor der Zellteilung. Sie verläuft semikonservativ: Jeder neue DNA-Doppelstrang besteht aus einem alten Mutterstrang und einem neu synthetisierten Tochterstrang.

Ablauf der Replikation

1

Helicase trennt den Doppelstrang durch Aufbrechen der Wasserstoffbrücken (Replikationsgabel)

2

Primase synthetisiert kurze RNA-Primer (Startsequenzen) an beiden Strängen

3

DNA-Polymerase III verlängert den Primer in 5'→3'-Richtung (liest Matrize in 3'→5')

4

Leitstrang (leading strand): kontinuierliche Synthese in Richtung der Replikationsgabel

5

Folgestrang (lagging strand): diskontinuierliche Synthese als Okazaki-Fragmente

6

DNA-Polymerase I ersetzt RNA-Primer durch DNA

7

Ligase verbindet die Okazaki-Fragmente

Leitstrang vs. Folgestrang

Leitstrang (leading strand)
  • Kontinuierliche Synthese
  • Wächst in Richtung der Replikationsgabel
  • Nur ein Primer nötig
  • Schnellere Synthese
Folgestrang (lagging strand)
  • Diskontinuierliche Synthese
  • Wächst entgegen der Replikationsgabel
  • Viele Primer nötig (Okazaki-Fragmente)
  • Langsamer, Ligase nötig

Transkription

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Was ist Transkription?

Bei der Transkription wird die genetische Information von der DNA in eine mRNA (messenger RNA) umgeschrieben. Sie findet im Zellkern statt. Die mRNA ist einsträngig und enthält Uracil (U) statt Thymin (T).

Ablauf der Transkription

1

RNA-Polymerase bindet an den Promotor (Startsequenz vor dem Gen)

2

DNA-Doppelstrang wird lokal aufgetrennt

3

RNA-Polymerase liest den Matrizenstrang in 3'→5'-Richtung

4

Freie RNA-Nukleotide werden komplementär angelagert (A→U, T→A, G→C, C→G)

5

RNA-Polymerase synthetisiert die prä-mRNA in 5'→3'-Richtung

6

Terminator-Sequenz: Transkription endet

7

RNA-Prozessierung: Spleißen (Introns raus, Exons zusammen), 5'-Cap, 3'-Poly-A-Schwanz

Exons

Codierende Abschnitte der prä-mRNA, die in der reifen mRNA verbleiben

Introns

Nicht-codierende Abschnitte der prä-mRNA, die herausgespleißt werden

5'-Cap

Modifiziertes Guanosin am 5'-Ende; schützt mRNA und erleichtert Ribosomenbindung

Poly-A-Schwanz

Kette aus Adeninnukleotiden am 3'-Ende; schützt mRNA vor Abbau

Translation

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Was ist Translation?

Bei der Translation wird die Basensequenz der mRNA in eine Aminosäuresequenz (Protein) übersetzt. Sie findet an den Ribosomen statt. Der genetische Code ist ein Triplett-Code: je 3 Basen (Codon) codieren für eine Aminosäure.

Ablauf der Translation

1

Initiation: Ribosom bindet an 5'-Cap der mRNA; Startcodon AUG wird erkannt; tRNA mit Methionin bindet

2

Elongation: tRNA bringt passende Aminosäure (Anticodon komplementär zum Codon)

3

Peptidyltransferase knüpft Peptidbindung zwischen Aminosäuren

4

Ribosom verschiebt sich um ein Codon (Translokation)

5

Termination: Stoppcodon (UAA, UAG, UGA) → Freisetzungsfaktor → Polypeptid wird freigesetzt

6

Posttranslationale Modifikation: Faltung, Glykosylierung, Spaltung etc.

Codon

Triplett auf der mRNA, das für eine Aminosäure oder ein Stoppcodon codiert

Anticodon

Komplementäres Triplett auf der tRNA, das an das Codon bindet

tRNA

Transfer-RNA: Adaptormolekül, das Aminosäure und Codon verbindet

Startcodon

AUG codiert für Methionin und startet die Translation

Stoppcodon

UAA, UAG, UGA: codieren für keine Aminosäure, beenden Translation

Genetischer Code

Universell (gilt für fast alle Lebewesen), degeneriert (mehrere Codons pro AS)

Zentrales Dogma: DNA → (Transkription) → mRNA → (Translation) → Protein

Genmutationen

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Was sind Mutationen?

Mutationen sind Veränderungen im Erbgut. Genmutationen betreffen einzelne Gene (Basensequenz). Sie können spontan auftreten oder durch Mutagene (Strahlung, Chemikalien) ausgelöst werden.

Substitution

Ein Basenpaar wird durch ein anderes ersetzt. Kann stumm, missense oder nonsense sein

Insertion

Ein oder mehrere Basenpaare werden eingefügt → Leserasterverschiebung (frameshift)

Deletion

Ein oder mehrere Basenpaare werden entfernt → Leserasterverschiebung (frameshift)

Stille Mutation

Codon ändert sich, aber dieselbe Aminosäure wird eingebaut (Degeneriertheit des Codes)

Missense-Mutation

Codon ändert sich → andere Aminosäure → verändertes Protein (z.B. Sichelzellanämie)

Nonsense-Mutation

Codon wird zu Stoppcodon → vorzeitiger Abbruch → meist nicht-funktionales Protein

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Sichelzellanämie als Beispiel

Bei der Sichelzellanämie führt eine Substitution (A→T) im Beta-Globin-Gen dazu, dass Glutaminsäure durch Valin ersetzt wird. Das veränderte Hämoglobin (HbS) bildet unter Sauerstoffmangel Fasern → Erythrozyten werden sichelförmig → Verstopfung kleiner Blutgefäße.

Genregulation & Epigenetik

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Lac-Operon (Prokaryoten)

Das Lac-Operon bei E. coli ist ein klassisches Beispiel für Genregulation. Ohne Laktose: Repressor bindet an Operator → Gene werden nicht abgelesen. Mit Laktose: Laktose bindet an Repressor → Repressor löst sich → Gene werden abgelesen.

Epigenetische Mechanismen

DNA-Methylierung
  • Methylgruppen an Cytosin (CpG-Inseln)
  • Hemmt Transkription → Gen wird 'stumm geschaltet'
  • Vererbbar (epigenetisches Gedächtnis)
  • Wichtig bei Imprinting und Krebs
Histonmodifikation
  • Acetylierung, Methylierung, Phosphorylierung von Histonen
  • Acetylierung: Chromatin öffnet sich → Transkription aktiv
  • Deacetylierung: Chromatin verdichtet sich → Transkription gehemmt
  • Kein Eingriff in DNA-Sequenz
Epigenetik

Veränderungen der Genexpression ohne Änderung der DNA-Sequenz; können vererbt werden

Chromatin-Remodeling

Umstrukturierung des Chromatins zur Regulation der Zugänglichkeit von Genen

Imprinting

Elternspezifische Methylierung: Nur das Gen eines Elternteils wird exprimiert

X-Inaktivierung

Bei Frauen wird eines der beiden X-Chromosomen durch Methylierung inaktiviert (Barr-Körper)

Krebs & Onkogene

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Entstehung von Krebs

Krebs entsteht durch unkontrollierte Zellteilung infolge von Mutationen in Genen, die das Zellwachstum regulieren. Es müssen meist mehrere Mutationen zusammentreffen (Mehrstufenmodell der Karzinogenese).

Proto-Onkogene vs. Tumorsuppressorgene

Proto-Onkogene → Onkogene
  • Normale Funktion: fördern Zellwachstum
  • Mutation → Onkogen: dauerhafte Aktivierung
  • Wirken dominant (ein mutiertes Allel reicht)
  • Beispiel: RAS-Gen, HER2
Tumorsuppressorgene
  • Normale Funktion: hemmen Zellwachstum, reparieren DNA
  • Mutation → Verlust der Hemmung
  • Wirken rezessiv (beide Allele müssen mutiert sein)
  • Beispiel: p53, BRCA1/2
p53 (Wächter des Genoms)

Tumorsuppressor: erkennt DNA-Schäden → stoppt Zellzyklus oder löst Apoptose aus

Apoptose

Programmierter Zelltod: wichtig für Kontrolle der Zellzahl und Eliminierung geschädigter Zellen

Metastasierung

Krebszellen lösen sich vom Primärtumor, wandern über Blut/Lymphe und bilden Tochtergeschwülste

Telomerase

Enzym, das Telomere verlängert; in Krebszellen oft reaktiviert → Unsterblichkeit der Zellen

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