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Evolution

IB 3 · Evolutionstheorie, Artbildung & Belege · Q-Phase

Evolutionstheorien im Überblick

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Abb. 1: Phylogenetischer Stammbaum – gemeinsame Vorfahren und Abstammungslinien

Lamarck vs. Darwin

Lamarck (1809) – veraltet
  • Vererbung erworbener Eigenschaften
  • Gebrauch und Nichtgebrauch von Organen
  • Beispiel: Giraffe streckt Hals → längerer Hals wird vererbt
  • Heute widerlegt (Epigenetik zeigt: nur in Ausnahmefällen)
Darwin (1859) – Grundlage der modernen Theorie
  • Natürliche Selektion: Überleben der Bestangepassten
  • Variation in Populationen (zufällig)
  • Vererbung vorteilhafter Merkmale
  • Graduelle Veränderung über Generationen
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Synthetische Evolutionstheorie (Neo-Darwinismus)

Die synthetische Evolutionstheorie verbindet Darwins natürliche Selektion mit der Mendelschen Genetik und der Populationsgenetik. Sie ist die heute anerkannte Evolutionstheorie.

Evolutionsfaktoren

Mutation

Zufällige Veränderung der DNA; Rohmaterial der Evolution; meist neutral oder schädlich, selten vorteilhaft

Rekombination

Neukombination von Allelen bei der Meiose (Crossing-over, unabhängige Spaltung) → genetische Vielfalt

Selektion

Unterschiedlicher Fortpflanzungserfolg aufgrund von Merkmalsunterschieden; einziger direktionaler Faktor

Gendrift (genetische Drift)

Zufällige Veränderung der Allelfrequenzen in kleinen Populationen (Flaschenhalseffekt, Gründereffekt)

Genfluss (Genmigration)

Einwanderung/Auswanderung von Individuen → Veränderung der Allelfrequenzen einer Population

Isolation

Geografische, ökologische oder reproduktive Trennung von Populationen → Voraussetzung für Artbildung

Selektionsarten

Stabilisierende Selektion
  • Mittlere Merkmalsausprägung wird bevorzugt
  • Extreme werden selektiert
  • Erhält den Status quo
  • Beispiel: Geburtsgewicht beim Menschen
Gerichtete Selektion
  • Eine Extremausprägung wird bevorzugt
  • Verschiebung des Mittelwerts
  • Anpassung an veränderte Umwelt
  • Beispiel: Antibiotikaresistenz bei Bakterien

Artbildung (Speziation)

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Was ist eine Art?

Nach dem biologischen Artbegriff (Mayr) ist eine Art eine Gruppe von Individuen, die sich miteinander fortpflanzen können und fruchtbare Nachkommen erzeugen. Zwischen verschiedenen Arten besteht eine Reproduktionsbarriere.

Allopatrische vs. Sympatrische Artbildung

Allopatrische Artbildung (geografisch)
  • Geografische Isolation trennt Populationen
  • Unabhängige Evolution → genetische Divergenz
  • Reproduktionsbarriere entsteht
  • Beispiel: Darwinfinken auf Galápagos
Sympatrische Artbildung (ohne Isolation)
  • Im selben Gebiet, ohne geografische Trennung
  • Durch ökologische Nischentrennung oder Polyploidie
  • Seltener als allopatrische Artbildung
  • Beispiel: Polyploide Pflanzen (Weizen)

Adaptive Radiation

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Was ist adaptive Radiation?

Adaptive Radiation bezeichnet die schnelle Aufspaltung einer Stammart in viele neue Arten, die verschiedene ökologische Nischen besetzen. Sie tritt oft auf, wenn eine Art in ein neues, ressourcenreiches Gebiet einwandert oder nach einem Massenaussterben.

Darwinfinken (Galápagos)

Aus einer Stammfinkenart entstanden ~14 Arten mit verschiedenen Schnabelformen für unterschiedliche Nahrungsquellen

Beuteltiere (Australien)

Beuteltiere besetzten nach Isolation Australiens viele Nischen, die auf anderen Kontinenten von Plazentatieren besetzt sind

Cichliden (Viktoriasee)

Aus wenigen Stammarten entstanden >500 Cichlidenarten mit verschiedenen Nahrungsspezialisierungen

Säugetiere nach K-T-Ereignis

Nach dem Aussterben der Dinosaurier (vor 66 Mio. Jahren) diversifizierten sich Säugetiere explosionsartig

Voraussetzungen für adaptive Radiation

1

Stammform mit hohem Anpassungspotenzial (genetische Variabilität)

2

Verfügbarkeit freier ökologischer Nischen (nach Massenaussterben oder auf Inseln)

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Geografische oder ökologische Isolation der entstehenden Populationen

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Natürliche Selektion passt jede Population an ihre spezifische Nische an

Belege für die Evolution

Fossilien

Versteinerte Überreste von Lebewesen; zeigen zeitliche Abfolge der Lebensformen; Lückenhaftigkeit des Fossilberichts

Homologe Organe

Gleicher Grundbauplan, verschiedene Funktion → gemeinsamer Vorfahre (z.B. Vorderextremitäten von Mensch, Wal, Fledermaus)

Analoge Organe

Verschiedener Bauplan, gleiche Funktion → konvergente Evolution (z.B. Flügel von Vögeln und Insekten)

Rudimente

Funktionslos gewordene Organe, die auf gemeinsame Vorfahren hinweisen (z.B. Steißbein beim Menschen, Blinddarm)

Atavismen

Wiederauftreten von Merkmalen der Vorfahren (z.B. Schwanzfortsatz beim Menschen, zusätzliche Zehen bei Pferden)

Molekulare Belege

DNA-Sequenzvergleiche zeigen Verwandtschaftsgrade; je ähnlicher die DNA, desto enger verwandt

Biogeografie

Verbreitung von Arten auf der Erde gibt Hinweise auf Evolutionsgeschichte (z.B. Beuteltiere in Australien)

Embryologie

Ähnliche Embryonalstadien bei verschiedenen Wirbeltieren → gemeinsame Abstammung

Populationsgenetik & Hardy-Weinberg

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Hardy-Weinberg-Gleichgewicht

In einer idealen Population (groß, zufällige Paarung, keine Mutation, keine Selektion, kein Genfluss) bleiben die Allelfrequenzen konstant. Dies ist das Hardy-Weinberg-Gleichgewicht – in der Realität selten erfüllt.

Hardy-Weinberg: p² + 2pq + q² = 1 | p = Frequenz Allel A, q = Frequenz Allel a | p + q = 1
p² (AA)

Häufigkeit der homozygot dominanten Individuen

2pq (Aa)

Häufigkeit der heterozygoten Individuen (Träger)

q² (aa)

Häufigkeit der homozygot rezessiven Individuen (erkrankt bei rez. Erbgang)

Anwendung

Aus der Häufigkeit Erkrankter (q²) kann man Trägerfrequenz (2pq) berechnen

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